Rede DFWR-Präsident Georg Schirmbeck zur Präsentation des Sonderpostwertzeichens „Wald ist Klimaschutz“

Anlässlich der Präsentation des Sonderpostwertzeichens „Wald ist Klimaschutz“ am 5. Oktober 2021 in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin. 

(Es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor dem realen Hintergrund der Klimakrise sind die Anforderungen an das Ökosystem „Wald“ in den letzten Jahren deutlich in den Fokus gerückt: Die Bilder, die in Folge der Extremwetterereignisse zwischen 2018 bis 2020 entstanden sind, sind uns allen im Gedächtnis. Wenn man heute durch einige bewaldete Gebiete in Deutschland kommt, sind die Aussichten teilweise beklemmend. Insgesamt sind in dieser Zeit als Folge von Stürmen, Dürre, Hitze und Insektenbefall in Deutschland etwa 280.000 Hektar Kahlflächen entstanden. Das entspricht der Größe des Saarlandes. Besonders betroffen sind die Länder Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Niedersachsen und Hessen. Die Schäden belaufen sich laut einer Erhebung des Deutschen Forstwirtschaftsrates auf rund 13 Milliarden Euro und haben in vielen Forstbetrieben zu einer schwierigen Liquiditätslage geführt. Der Klimawandel vollzieht sich im wahrsten Sinn vor unseren Augen.

Mit der Sonderbriefmarke „Wald ist Klimaschutz“ möchten wir niederschwellig an die breite Öffentlichkeit appellieren, das Offensichtliche wahrzunehmen: Wir sind als Gesellschaft in Zeiten des Klimawandels auf einen gesunden Wald angewiesen. Zum Schutz für unser Klima und das der nachfolgenden Generationen, aber auch für die Bereitstellung vielfältiger, weiterer Leistungen. Wald ist in dreifacher Hinsicht Klimaschutz: Erstens nimmt er große Mengen an CO2 aus der Luft auf und speichert diese dauerhaft. Zweitens ist nachwachsendes Holz aus einem nachhaltig gepflegten und bewirtschafteten Wald auch als Rohstoff, der in der industriellen Wertschöpfungskette verwendet wird, ein langfristiger CO2-Speicher. Und drittens substituiert Holz als Biomasse fossile Rohstoffe und Energieträger. Damit trägt die Forstbranche im Rahmen der Energie- und Wärmewende aktiv zum Klimaschutz sowie zum Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger bei.

Deutschland ist bei der nachhaltigen Waldbewirtschaftung führend in Europa: 11,4 Millionen Hektar Wald werden von zwei Millionen privaten und öffentlichen Waldbesitzenden bewirtschaftet. Das Cluster Forst und Holz gleicht mit jährlich 127 Millionen Tonnen rund 14 Prozent des CO2-Austoßes der deutschen Volkswirtschaft aus.

Die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern ist eine wichtige Herausforderung für die Zukunft, um weltweit eine gute Klimabilanz herzustellen. Zu dieser Gemeinwohlaufgabe zählt auch die Beseitigung der Folgen der Extremwetterjahre und die Aufforstung von Mischwäldern mit Baumarten, die an das zukünftige Klima angepasst sind. Von einer neuen Bundesregierung erwarten wir deshalb Unterstützung und politische Rahmenbedingungen, die die Forstwirtschaft und damit den Bioökonomiestandort Deutschland stärken und unterstützen und nicht einschränken. Die Waldbesitzenden in Deutschland leisten Tag für Tag Großartiges, damit unserer Gesellschaft ein intakter Wald zur Verfügung steht. Wir müssen jetzt Leitplanken einziehen, damit diese Leistungen in einem nachhaltig bewirtschafteten, multifunktionalen Wald weiterhin zur Verfügung stehen können. Die Einschränkung der Nutzung und Bewirtschaftung von Flächen ist dabei nicht der zielführende Weg.

Die Erreichung der Klimaneutralität bis 2050 gelingt innerhalb der EU nur gemeinsam mit der Forstwirtschaft. Alle Waldbesitzarten müssen für die Erbringung von Ökosystemleistungen honoriert werden. Bislang werden diese wichtigen Leistungen für die Gesellschaft unentgeltlich durchgeführt. Es ist außerdem notwendig, dass die forst- und holzwirtschaftliche Forschung massiv verbessert und mit entsprechenden Mitteln ausgestattet wird. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass jede Nutzungseinschränkung und jedes Nutzungsverbot zur Folge hätten, dass verstärkt auf fossile Rohstoffe und energieintensive Materialien zurückgegriffen würde, was zwangsläufig zu steigenden CO2 -Emissionen in der Bundesrepublik führte. Nicht zu vergessen ist auch der soziale Faktor: Die Forstwirtschaft stellt mit einem jährlichen Gesamtumsatz aus Forst- und nachgelagerter Industrie von etwa 180 Milliarden Euro einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen und wichtigen Arbeitgeber gerade in ländlichen Regionen dar.

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat fordert deshalb verbindliche gesetzliche Vorgaben für die Priorisierung des Einsatzes von Holz als nachwachsendem Rohstoff, der als CO2-Speicher im Gegensatz zu anderen endlichen Baustoffen wie Zement, Kies und Sand klimafreundlich ist. Staatliche Bauträger müssen hier mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie den Holzbau noch stärker forcieren. Auch über eine Holzbauquote ist nachzudenken, wenn wir klimaneutral werden wollen.

Wir brauchen den Wald und seine vielfältigen Funktionen. Wir brauchen ihn auch für unsere Erholung, Sport, als Ort der Begegnung und für das soziale Gemeinschaftsgefüge. „Wald ist Klimaschutz“ – dieser einfache Satz drückt sehr gut die doppelte Botschaft aus, wenn wir über die Gefahren des Klimawandels und die Leistungen des Waldes zum Klimaschutz sprechen. Ab übermorgen geht die Botschaft als 80-Cent-Marke mit einer Auflage von 3,5 Millionen ‚viral‘, wie man so schön sagt. Wir hoffen, dass sie bei möglichst vielen Menschen für einen Moment des Nachdenkens und des Innehaltens sorgt.