Chancen für den Wald im Klimawandel

DFWR-Präsident Schirmbeck: „Wir brauchen jetzt klare Zusagen für Maßnahmen, Mittel und Unterstützung der Waldbesitzenden zum Walderhalt!“

Berlin 28. August 2019: Die Folgen des Klimawandels haben dem Wald in den letzten beiden Jahren schwere Schäden zugefügt, mit einem noch nicht absehbaren Ende dieser mittlerweile nationalen Katastrophe. Aufgrund der dramatischen Lage im Wald hat Frau Bundesministerin Julia Klöckner am Donnerstag (29.08.2019) zu einem Verbändegespräch eingeladen, um über Hilfsmaßnahmen des Bundes und der Länder zu informieren und jetzt erforderliche Handlungsschritte mit den Verbänden zu diskutieren. Der Deutsche Forstwirtschaftsrat hat dazu ein umfassendes Maßnahmenpaket für den Walderhalt und Anpassung der Wälder an den Klimawandel vorgelegt. „Es ist mir sehr wichtig, dass jetzt notwendige Soforthilfemaßnahmen beschlossen werden und gleichzeitig eine langfristige Strategie zur zukunftsfähigen Waldentwicklung auf den Weg gebracht werden,“ betont DFWR-Präsident Georg Schirmbeck.

Der Klimawandel und die Schadverläufe im Wald nehmen an Dynamik zu und haben sich zu einer Herausforderung nationalen Ausmaßes entwickelt. Schirmbeck weist darauf hin, dass man sich jetzt nicht in Scheindebatten verlieren dürfe. „Der Wald leidet im Klimastress, weil auch wir als Politik und Gesellschaft es in den vergangenen Jahrzehnten nicht geschafft haben, dem Klimawandel etwas entgegen zu setzen! Die Politik muss jetzt ambitioniert für den Klimaschutz handeln und endlich wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen“, fordert Schirmbeck.

Unsere Wälder sind ein wichtiger Teil der Lösung im Klimaschutz und doch können sie allein uns nicht retten. Die Gesellschaft und die Politik müssen zwingend ihren Beitrag dazu leisten, den Wald als unverzichtbaren Bestandteil als Arten- und Klimaschützer, für den Boden- und Wasserschutz, als Lebens- und Erholungsraum sowie als Arbeitsplatz zu erhalten.

Eines wird bei der Betrachtung der Situation jedoch besonders deutlich: eine nachhaltige, aktive Bewirtschaftung des Waldes und die Nutzung von Holz sind für den Klimaschutz in Deutschland unverzichtbar. Schirmbeck: „Wald und Holz gleichen bis zu 14 Prozent der gesamten CO2-Emissionen Deutschlands aus und leisten damit einen enormen Klimaschutzbeitrag!“

„Die Forstwirtschaft ist sich ihrer Verantwortung über den Generationenauftrag bewusst, den Wald mit seinen vielfältigen positiven Leistungen an die nächste Generation zu übergeben. Das bedeutet, dass wir heute verantwortungsvolle Entscheidungen treffen müssen, die einen Einfluss auf unsere Enkel und Urenkel haben. Jetzt Nichts zu tun und keine Entscheidungen zu treffen ist definitiv die schlechteste Lösung“, betonte Schirmbeck.

Schirmbeck betont außerdem, „es wird keine einfachen Lösungen und kein allgemeingültiges Klimawandel-Patentrezept für den Wald in Deutschland geben. Klimaforscher können für die nächsten Jahrzehnte ein breites Band an Szenarien liefern. Dennoch weiß niemand genau, welche Bäume in 200 Jahren in Deutschland noch wachsen können. Wir müssen unter anderem deutlich mehr in die Grundlagenforschung bezüglich klimaresilienter Baumarten und Waldwachstum investieren.“

Die sich abzeichnenden tiefgreifenden Folgen des fortschreitenden Klimawandels für den Wald sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Deshalb muss es auch im gesellschaftlichen Interesse sein, sich zu engagieren und die Waldbesitzenden und Forstleute aller Waldbesitzarten bei den Kosten für Wiederbewaldung, Waldpflege und die Entwicklung klimaresilienter Mischwälder zu unterstützen“, sagt der DFWR-Präsident. Neben den dringend notwendigen Sofortmaßnahmen für Schadholzentnahme, Holzlogistik und Vorbereitung der Wiederbewaldung geht es vor allem auch um die Einrichtung einer langfristigen Finanzierung von Maßnahmen, die die Wälder an den Klimawandel anpassen. Dazu könnten beispielsweise Mittel aus einer CO2-Bepreisung beitragen, die dem Klimaschützer Wald zu Gute kommen.

Bereits seit Jahrzehnten bauen Waldbesitzende und Forstleute die Wälder durch nachhaltige Waldbewirtschaftung in klimastabile Mischbestände um. Diese Aufgabe ist sehr komplex und kann aufgrund der langen Wachstumszeiträume von Bäumen mehrere Generationen in Anspruch nehmen. Schirmbeck hat großen Respekt vor den mutigen Entscheidungen und der Lebensleistung unserer Vorfahren. „Sie zu kritisieren bringt uns heute in der Debatte um die Zukunft des Waldes nicht weiter. Wir müssen in dieser Krise zielorientiert nach vorne blicken und an der Lösung arbeiten, die Wälder weiter an den Klimawandel anpassen und sie langfristig in stabile und gemischte Wälder umwandeln.“

Die Forstwirtschaft wird auch weiterhin die Entwicklung der Wälder hin zu klimastabilen Mischwäldern vorantreiben und damit an den Leistungen der letzten Jahrzehnte anknüpfen. Ausreichend qualifiziertes Personal ist für die anspruchsvolle Aufgabe des Waldumbaus und Waldpflege im Klimawandel essenziell. „Deshalb benötigen wir eine Einstellungs-, Ausbildungs- und Fortbildungs-Offensive für Forstpersonal!“. „Dazu benötigen wir umfassende Maßnahmen, von einem bundesweit funktionierenden Logistikkonzept, bis hin zu Absatz- und Verwendungsmöglichkeiten insbesondere für das Schadholz,“ sagt Schirmbeck.

Hinzu kommt die jagdliche Herausforderung für den Waldumbau. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Wiederbewaldung und die Fortsetzung des Waldumbaus hin zu klimaresilienten, naturnahen Mischwäldern sind angepasste Schalenwildbestände. „Dafür müssen jetzt jagdgesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden“, sagt der DFWR-Präsident.

 

Hier gehts zum DFWR-Maßnahmenpaket

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR)

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) gibt der Forstwirtschaft eine Stimme. Er ist die repräsentative Vertretung aller mit der Forstwirtschaft und dem Wald befassten Akteure in der Bundesrepublik Deutschland und setzt sich für die Interessen und Belange einer nachhaltigen Forstwirtschaft ein. Nachhaltige Forstwirtschaft bedeutet für den DFWR, dass Pflege und Bewirtschaftung der Wälder im Interesse ihres gesunden, stabilen und leistungsfähigen Zustandes, ihrer Multifunktionalität durch Nutzung, Schutz und Erholung und im Interesse der Landeskultur und des Umweltschutzes erfolgen – in der Gegenwart und in der Zukunft. Dies ist die Basis für rund zwei Millionen Waldbesitzende in Deutschland, die eine Waldfläche von 11,4 Millionen Hektar – das sind rund 32 Prozent des Bundesgebietes – bewirtschaften.

Kontakt:

Deutscher Forstwirtschaftsrat e. V.

Geschäftsführer Franz Thoma

Pressesprecher Sebastian Schreiber

Claire-Waldoff-Straße 7

10117 Berlin

Tel.: 030-31904 560

Fax: 030-31904 564

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!