Wald trifft Politik im Deutschen Bundestag

Vertreter des Deutschen Forstwirtschaftsrates diskutieren mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages: Proaktive Kommunikation der Beiträge des Waldbesitzes zu Klimaschutzleistungen durch Waldbewirtschaftung notwendig. Bewirtschaftete Wälder signifikant artenreicher.

Unter dem Motto „Wald trifft Politik“ kamen am 17. Januar rund 100 Vertreterinnen und Vertreter der Forstwirtschaft und 25 Parlamentarier/-innen auf Einladung des DFWR in Berlin zusammen. Die beiden Referenten Herr Prof. Dr. Eduardo Rojas-Briales, Professor für Waldbau an der Universidad Politècnica de Valencia und ehemaliger Forstchef der FAO-Forst-Abteilung, sowie Herr Prof. Dr. Christian Ammer, Leiter der Abteilung Waldbau und Waldökologie der gemäßigten Zonen der Georg-August-Universität Göttingen, lieferten Impulse für eine Diskussion zu dem Themenkomplex „Was kann nachhaltige Waldbewirtschaftung für den Klima- und Biodiversitätsschutz leisten?“.
 
Rojas-Briales hob die Potentiale der Bioökonomie für die Ziele der Klimaschutzpolitik hervor. Eine weitere Vorratsanreicherung in den ohnehin bereits sehr vorratsreichen europäischen Wäldern hielt er für wenig zielführend, denn Holz könne bereits heute zahlreiche Öl-basierte Rohstoffe ersetzen. Er unterstrich die Bedeutung der Ressource Wald für den Klimaschutz sowie die Biodiversität und appellierte an die Waldbesitzer proaktiv zu kommunizieren, da dies sonst andere übernähmen.
 
Auch Ammer hob die Bedeutung bewirtschafteter Wälder für den Klimaschutz hervor. Den Fokus seiner Ausführungen richtete Ammer auf die Untersuchungsergebnisse zu den Auswirkungen verschiedener Waldbausysteme auf die Biodiversität. Anhand von Biodiversitäts-Exploratorien in Thüringen zeigte er auf, dass die im Rahmen einer multifunktional nachhaltigen Forstwirtschaft bewirtschafteten Wälder bedeutend artenreicher sind als unbewirtschaftete „Vergleichswälder“. Bei sechs von 15 Artengruppen wurden dort signifikant mehr Arten nachgewiesen als im unbewirtschafteten Wald. Dies gilt auch für die Waldspezialisten. Weiterhin verdeutlichen die Untersuchungsergebnisse, dass eine hohe Biodiversität auf Landschaftsebene eine hohe Vielfalt der angebotenen Lebensräume voraussetzt.
 
„Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die in Deutschland praktizierte nachhaltige, multifunktionale Forstwirtschaft wichtige Beiträge für den Klimaschutz und die Artenvielfalt im Wald leistet. Der Deutsche Wald ist bei seinen Eigentümern in guten Händen. Seitens der Politik wünschen wir uns Vertrauen und die richtigen Weichenstellungen für zukünftige Herausforderungen. Wald trifft Politik! Lassen Sie uns unter diesem Motto im Gespräch bleiben“, so Georg Schirmbeck, Präsident des DFWR.
 
 
Zum Hintergrund:
Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) gibt der Forstwirtschaft eine Stimme. Er ist die repräsentative Vertretung aller mit der Forstwirtschaft und dem Wald befassten Akteure in der Bundesrepublik Deutschland und setzt sich für die Interessen und Belange einer nachhaltigen Forstwirtschaft ein. Nachhaltige Forstwirtschaft bedeutet für den DFWR, dass Pflege und Bewirtschaftung der Wälder im Interesse ihres gesunden, stabilen und leistungsfähigen Zustandes, ihrer Multifunktionalität durch Nutzung, Schutz und Erholung und im Interesse der Landeskultur und des Umweltschutzes erfolgen – in der Gegenwart und in der Zukunft. Dies ist die Basis für rund 2 Millionen Waldbesitzer in Deutschland, die eine Waldfläche von 11,4 Millionen Hektar – das sind rund 32 % des Bundesgebietes – bewirtschaften.
denlenfritptrues